Klangbilder

Klangbilder Fastenzeit & Ostern 2021

Gemeinsames Singen und Musizieren ist derzeit kaum möglich. So sollen die Klangbilder einen kleinen virtuellen Ersatz darstellen und gerade in der Fastenzeit zum Innehalten einladen.
Musik und Bilder sind eng verknüpft mit Kreuzauffindung Kastellaun. Entweder wurde die Musik in der Pfarrkirche oder von Sänger*innen der Chorakademie zu Hause aufgenommen oder von Musiker*innen eingespielt, die regelmäßig in Kreuzauffindung zu Gast sind.
Dabei sollen viele unterschiedlich Stilrichtungen Berücksichtigung finden, in der Hoffnung das für jeden etwas dabei ist.
Das Projekt findet in enger Zusammenarbeit mit dem Musikforum Kastellaun statt.

www.musik-kreuzauffindung-kastellaun.de

www.orgelprojekt-kastellaun.de

www.musikforum-kastellaun.de

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Klangbild 4 – 2. Fastensonntag, 28.02.2021

Felix Mendelssohn: Sei stille dem Herrn

Das Warten gehört zum Leben dazu, auch wenn wir es heute ein wenig verlernt haben, weil alles immer sofort verfügbar sein soll, oder für alles sofort eine Lösung her muss.
An der Kasse im Supermarkt, auf den Zug, auf ein Paket… müssen wir warten.

Im Psalm 37 heißt es: Sei stille dem Herrn und warte auf ihn; der wird dir geben, was dein Herz wünscht.
Hier ist natürlich ein anders Warten gemeint.
Warten auf Gott bzw. das Vertrauen, dass er es richten wird.

Felix Mendelssohn hat diesen Psalmtext vertont. Die innige Arie stammt aus dem Oratorium „Elias“, das das Leben des gleichnamigen Propheten aus dem Alten Testament erzählt. Elias wird an dieser Stelle des Oratoriums aufgefordert auf Gott zu warten und ihm zu vertrauen, obwohl er völlig verzweifelt, hoffnungslos und auch zornig ist.
Mendelssohn drückt dieses Warten eindrucksvoll mit einem sehr langen Ton am Ende aus, der zeigt, dass man zum Warten manchmal einen ganz langen Atem braucht.
Zum Beispiel beim Warten auf das Ende einer Pandemie.

Das Bild zeigt die Mörzer Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt, die in unmittelbarer Nachbarschaft der Solistin steht und die auch visuell zum Warten einlädt.

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Klangbild 3 – 1. Fastenwoche 2021

Johann Sebastian Bach: O Lamm Gottes unschuldig BWV 1095

Das Lied O Lamm Gottes unschuldig ist heute in den meisten deutschsprachigen Kirchengesangbüchern enthalten. Text und Melodie stammen von Nikolaus Decius (um 1522), der vermutlich eine mittelalterliche Melodie als Vorlage genommen hat.

Lange Zeit war es in der protestantischen Kirche Teil der Passionsliturgie. Bach verwendet die Melodie im Eingangschor seiner Matthäuspassion. Seiner ursprünglichen Bestimmung gemäß ist es in den evangelischen und katholischen Gesangbüchern heute als Agnus Dei – Lied abgedruckt.

 O Lamm Gottes, unschuldig
am Stamm des Kreuzes geschlachtet,
allzeit erfunden geduldig,
wiewohl du warest verachtet,
all Sünd hast du getragen,
sonst müssten wir verzagen.
1.+2.: Erbarm dich unser, o Jesu.
3.: Gib deinen Frieden, o Jesu.

Das Bild von Christus als Lamm Gottes geht u. a. auf eine Textstelle bei Johannes (1,29) zurück, wo es heißt: „Am Tag darauf sah er Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“

Der Orgelchoral von Bach stammt aus den sogenannten Neumeister Chorälen, die zu dessen ersten Kompositionen zählen. Obwohl Bach hier noch nicht seine spätere Meisterschaft erreicht und eher noch seinen mitteldeutschen Vorbildern, wie Johann Pachelbel oder Johann Christoph Bach  nacheifert, hat der schlichte Satz mit seinen leichten Umspielungen in der Melodie, doch eine anrührende Wirkung.

Passend zum Text des Chorals zeigt das Bild die 11. Kreuzwegstation „Jesus wird ans Kreuz genagelt“ aus der kath. Pfarrkirche Kreuzauffindung Kastellaun.

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Klangbild 2 – 1. Fastensonntag, 21.02.2021

Anne Quigley: There is a longing

„There is a longing“ ist das bekannteste Stück der englische Komponistin Anne Quigley.
Der Text spricht von der Sehnsucht nach Gottes Nähe und der Überzeugung, dass wir mit unseren Sorgen zu ihm kommen können.
Im von Eugen Eckert verfassten deutschen Text zu dem Lied heißt es unter anderem:
Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir.
Wir hoffen auf dich – sei da, sei uns nahe.
                             
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Klangbild 1 – Aschermittwoch, 17.02.2021

Johann Pachelbel (1653 – 1706): O Mensch, bewein dein Sünde groß

Johann Pachelbel ist vielen heute vor allem wegen seines berühmten Kanon in D bekannt.
Darüber hinaus hat er vor allem Orgelmusik komponiert und damit den jungen Johann Sebastian Bach nachweislich beeinflusst. War sein Bruder Johann Christoph, bei dem er nach dem Tod der Eltern lebte und der ihm für einige Jahre Lehrer war, doch ein Schüler Pachelbels gewesen.

O Mensch, bewein dein Sünde groß ist eines der längsten Choralvorspiele Pachelbels.
Die beiden lebhaften Manualstimmen greifen Motive aus den jeweiligen Melodiezeilen auf und umspielen sie. Die Melodie selbst erscheint in langen Notenwerten im Bass.

Der Text zu dem Lied wurde 1530 von Sebald Heyden verfasst.
Die beiden heute noch gesungenen Strophen umrahmten ursprünglich eine 23-strophige Passionsbetrachtung. Die erste Strophe thematisiert das Leben und Wirken Jesu und seinen Opfertod für die Menschen, die zweite ist eine Aufforderung dankbar zu sein für dieses Opfer, sich vom Bösen fern zu halten und Jesu Beispiel der Nächstenliebe zu folgen.

Wann könnte uns mehr vor Augen geführt werden, dass unser ganzes Streben nach Geld, Macht oder Anerkennung irgendwann im Staub bzw. in der Asche endet, als am Aschermittwoch. Es ist, als wollte Pachelbel mit seiner Komposition unterstreichen, dass, so sehr wir uns manchmal in der Hektik unseres alltäglichen Lebens verlieren, wir doch immer auf Gott als das Fundament und als Zusage über den Tod hinaus vertrauen können.